Unsere Sinnessysteme – Was kann man tun, wenn es zu viele Reize sind?

Unsere Sinnessysteme arbeiten rund um die Uhr, um Informationen aus der Umgebung zu verarbeiten. Doch manchmal kommt es zu einer Reizüberflutung – ein Zustand, in dem das Gehirn mit zu vielen sensorischen Eindrücken konfrontiert wird. Das kann sich in Unruhe, Konzentrationsproblemen, Stress oder Meltdowns äußern​.

In den bisherigen Blogposts wurden die acht Sinnessysteme thematisiert und wie diese unsere Wahrnehmung beeinflussen. Dabei standen auch die Phänomene Hyper- und Hyposensibilität im Fokus. Doch was kann man konkret tun, wenn es zu viel wird? Wenn Geräusche, Licht, Berührungen oder andere Reize überwältigend sind?

In diesem Blogbeitrag zeigen wir mögliche Wege auf, wie wir unsere Sinnessysteme bei Hypersensibilität unterstützen und schützen können.


auf dem Bild ist ein Augapfel mit Lupe, Aktenkoffer und Hut zu sehen.

Sehsinn (visuell)

Helle oder flackernde Lichter, visuelle Unordnung oder zu viele Details können das Gehirn bei Hypersensibilität des Sehsinns überfordern. Wer sich durch visuelle Reize schnell erschöpft oder angespannt fühlt, kann versuchen Reize in der Umgebung zu reduzieren oder individuell passende Strategien und Unterstützungsmaßnahmen zu finden.

Eine Hand die an das Ohr gehalten wird, um besser hören zu können

Hörsinn (auditiv)

Laute Geräusche oder viele Töne gleichzeitig können bei einer Hypersensibilität des Hörsinns schnell überwältigend sein. Besonders konstante Hintergrundgeräusche oder plötzliche laute Klänge können ablenkend wirken oder Stress auslösen. Auch hier können gezielte Maßnahmen entlastend wirken.

eine Hand mit 5 ausgestreckten Fingern

Tastsinn (taktil)

Manche Menschen empfinden bestimmte Berührungen oder Materialien als unangenehm. Enge Kleidung, raue Stoffe, Knöpfe, Kopfbedeckungen oder wiederholte Berührungen bei lockerer Kleidung können Stress auslösen. Aber auch spontaner Körperkontakt mit anderen Menschen, das Berühren von bestimmten Körperstellen wie dem Kopf oder von bestimmten Texturen wie schleimigen Konsistenzen beim Backen kann zu starken Reaktionen führen. Ein bewusster Umgang mit taktilen Reizen kann helfen, sich wohler zu fühlen.

Ein offener Mund mit rausgestreckter Zunge

Geschmacksinn (gustatorisch)

Bestimmte Geschmäcker oder Konsistenzen können unangenehm sein. Manche Menschen haben Schwierigkeiten mit intensiven oder gemischten Aromen. Hier helfen gezielte Anpassungen der Mahlzeiten und bei besonders eingeschränktem Essensverhalten Geduld und Unterstützung bei selbstgewählten Zielen zur Steigerung des Essensrepertoirs.

ein kurzhaariges Kind wirft einen stinkenden Müllsack in eine Mülltonne. Um den Sack schwirren Fliegen.

Geruchssinn (olfaktorisch)

Intensive oder unerwartete Gerüche können überfordern. Besonders künstliche oder starke Düfte können bei Hypersensibilität des Geruchssinns Unwohlsein auslösen. Durch Gegenmaßnahmen und bewusste Duftgestaltung kann eine angenehmere Umgebung geschaffen werden.

Ein Kind schaukelt auf einer Schaukel.

Gleichgewichtssinn (vestibulär)

Unser Gleichgewichtssinn hilft uns, unsere Balance zu halten und uns sicher zu bewegen. Eine Hypersensibilität in diesem Bereich kann dazu führen, dass schon kleinere Bewegungen Schwindel oder Unwohlsein auslösen. Menschen mit einer vestibulären Überempfindlichkeit können Schwierigkeiten mit schnellen Bewegungen, Höhen oder sogar Fahrten mit dem Auto oder der Bahn haben.

Eine Ballerina tanzt in einem schwarzen Tutu

Propriozeption/Tiefensensibilität

Die Propriozeption hilft uns, die Position unseres Körpers im Raum wahrzunehmen, ohne hinsehen zu müssen. Eine Hypersensibilität in diesem Bereich kann dazu führen, dass Bewegungen und Berührungen als unangenehm oder überwältigend empfunden und daher oft vermieden werden. Auffallend können zudem eine steifere Körperhaltung und niedrige Schmerzgrenze sein.

Eine Zeichnung von einem Körper, bei der manche Organe wie das Gehirn und Herz eingezeichnet sind.

Interozeption (viszeral)

Die Interozeption beschreibt die Fähigkeit, körperliche Signale wie Hunger, Durst, Müdigkeit oder Schmerzen wahrzunehmen. Eine Hypersensibilität der Interozeption kann dazu führen, dass körperliche Empfindungen als überwältigend oder unangenehm erlebt werden. Dabei können überdeutlich Herzklopfen, Verdauungsprozesse oder Temperaturänderungen gespürt werden, was zu Stress oder Unruhe führen kann.

Fazit

Mit der richtigen Unterstützung können individuelle Strategien gefunden werden, um den Alltag mit Hypersensibilität angenehmer und entspannter zu gestalten. In diesem Blogbeitrag haben wir uns verschiedene Strategien für die acht Sinnessysteme bei Hypersensibilität angesehen – kleine Anpassungen, die helfen können, Reizüberflutung zu vermeiden und besser auf die eigenen Bedürfnisse zu achten. Welche davon in welcher Situation am besten passt, ist ganz individuell und lässt sich oft nur durch eigenes Ausprobieren herausfinden.

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Unsere Sinnessysteme - wenn Systeme unter- oder überfordert sind